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Zwischenlager Plasmaofen in Würenlingen schmilzt 1000 Fässer mit radioaktiven Abfällen
Hochbetrieb im
Zwischerlager für radioaktive Abfälle in Würenlingen: Im grossen Lager strahlen
die ersten 30 von 200 der riesigen Castor-Behälter vor sich hin. Der Plasmaofen
mit seinem 20 000 Grad heissen Strahl läuft Tag und Nacht und verschmilzt ganze
Fässer zu Glaskokillen.
HANS LüTHI
Jahre der Kinderkrankheiten haben seine Stirne oft in Falten gelegt, doch
jetzt macht Geschäftsleiter Walter Heep vom Zwischenlager Würenlingen einen
entspannten Eindruck. Das Lager mit den hoch radioaktiven Abfällen füllt sich
Stück um Stück, genau 30 der bis zu 140 Tonnen schweren Brocken stehen da. Erst
8 sind blaue und rote Behälter mit verglasten, hoch aktiven Abfällen aus der
Wiederaufbereitung in England und Frankreich. 22 weisse Giganten sind per Bahn
und Tieflader direkt aus den Kernkraftwerken gekommen und enthalten abgebrannte
Brennelemente. Auch sie wären von der Verpackung her bereit, für immer in einem
Endlager zu verschwinden. «Bis 2006 läuft ein Moratorium für die
Wiederaufarbeitung, danach wird entschieden, ob man die in den Brennstäben
vorhandene Energie ausschöpfen soll oder nicht», so Heep. Rein energetisch
betrachtet, wäre ein Recycling sinnvoll, doch die Anlagen in La Hague und
Sellafield sind in Verruf geraten.
Platz für die Abfälle aller Kraftwerke
Technisch ist für Heep ein Endlager so gut wie gelöst,
«gesellschaftspolitisch jedoch nicht», meint er zum fundamentalen Widerstand der
KKW-Gegner und allfälliger Standortregionen. «Aber man kann das Problen ja in
aller Ruhe und Beschaulichkeit angehen», sagt der Zwilag-Leiter zur
Endlagersuche des Bundesrates und der Nagra. Denn erstens müssen die Behälter,
zu Beginn im Innern bis zu 300 Grad heiss, während 20 bis 30 Jahren ihre
Restwärme abklingen lasssen. «Zweitens haben wir Platz genug für rund 50 Jahre»,
umschreibt Heep die Tatsache, dass die Abfälle aller Schweizer Kernkraftwerke
hier zwischengelagert werden können.
Kontrolle durch die HSK und die IAEA
Die Castors geben nur Wärme ab, sie sind handwarm oder etwas heisser,
können aber problemlos berührt werden. Die erwärmte Luft strömt oben aus dem
Dach, unten wird kalte Aussenluft durch Schlitze nachgesogen. Dadurch erfolgt
die Kühlung ohne jeden Aufwand an Energie, die Halle braucht keine zusätzliche
Lüftung oder Heizung. Extrem streng sind die minuziösen Kontrollen, die schon
bei der Anlieferung eine Woche dauern. Am Standort in der Halle sind die
Behälter dauerüberwacht, durch die Hauptabteilung für die Sicherheit der
Kernanlagen (HSK), aber ebenso durch die Internationale Atomenergieagentur
(IAEA) mit Sitz in Wien. «Sie hat zwei Kameras montiert und die Behälter
plombiert», betont Walter Heep. Das Verschieben eines Castors ist nur erlaubt,
wenn die IAEA im Voraus die Bewilligung dazu erteilt. Stolz ist Heep «auf einen
echten Oldtimer» – den weltweit ersten dieser Behälter. Im Innern lagern die
Brennelemente des PSI-Forschungsreaktors Diorit.
Stolz auf modernen Plasmaofen
Viel Ärger gab es zu Beginn mit dem Plasmaofen. Jetzt ist das
High-Tech-Gerät von den Kinderkrankheiten genesen, seit Ostern und bis Anfang
Juni läuft die Frühjahrs-Kampagne. «200 Fässer sind schon verschmolzen, 450
könnten es werden, mit der Kampagne im Herbst sogar 1000», hofft Heep. Obwohl
alles automatisch abläuft, beschäftigt allein der Ofen 30 Zwilag-Mitarbeiter –
für die rund um die Uhr nötigen Schichten zur Überwachung im Kommandoraum.
Der Strahl ist 20 000 Grad heiss, im Ofen sind noch 1200 bis 1500 Grad nötig, um
die schwach radioaktiven Abfälle samt Behältern in einen glasförmigen Zustand zu
verschmelzen. Am Schluss bleiben 200 Liter grosse gelbe Fässer, die ins
Zwischenlager für schwach- bis mittelaktive Abfälle kommen. Auch dort hat es
Platz für alle radioaktiven Abfälle aus Industrie, Medizin und Forschung bis zur
Mitte dieses Jahrhunderts.
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