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Zwischenlager Plasmaofen in Würenlingen schmilzt 1000 Fässer mit radioaktiven Abfällen

«Wir haben Platz bis im Jahr 2051»

Hochbetrieb im Zwischerlager für radioaktive Abfälle in Würenlingen: Im grossen Lager strahlen die ersten 30 von 200 der riesigen Castor-Behälter vor sich hin. Der Plasmaofen mit seinem 20 000 Grad heissen Strahl läuft Tag und Nacht und verschmilzt ganze Fässer zu Glaskokillen.
HANS LüTHI

Jahre der Kinderkrankheiten haben seine Stirne oft in Falten gelegt, doch jetzt macht Geschäftsleiter Walter Heep vom Zwischenlager Würenlingen einen entspannten Eindruck. Das Lager mit den hoch radioaktiven Abfällen füllt sich Stück um Stück, genau 30 der bis zu 140 Tonnen schweren Brocken stehen da. Erst 8 sind blaue und rote Behälter mit verglasten, hoch aktiven Abfällen aus der Wiederaufbereitung in England und Frankreich. 22 weisse Giganten sind per Bahn und Tieflader direkt aus den Kernkraftwerken gekommen und enthalten abgebrannte Brennelemente. Auch sie wären von der Verpackung her bereit, für immer in einem Endlager zu verschwinden. «Bis 2006 läuft ein Moratorium für die Wiederaufarbeitung, danach wird entschieden, ob man die in den Brennstäben vorhandene Energie ausschöpfen soll oder nicht», so Heep. Rein energetisch betrachtet, wäre ein Recycling sinnvoll, doch die Anlagen in La Hague und Sellafield sind in Verruf geraten.

Platz für die Abfälle aller Kraftwerke
Technisch ist für Heep ein Endlager so gut wie gelöst, «gesellschaftspolitisch jedoch nicht», meint er zum fundamentalen Widerstand der KKW-Gegner und allfälliger Standortregionen. «Aber man kann das Problen ja in aller Ruhe und Beschaulichkeit angehen», sagt der Zwilag-Leiter zur Endlagersuche des Bundesrates und der Nagra. Denn erstens müssen die Behälter, zu Beginn im Innern bis zu 300 Grad heiss, während 20 bis 30 Jahren ihre Restwärme abklingen lasssen. «Zweitens haben wir Platz genug für rund 50 Jahre», umschreibt Heep die Tatsache, dass die Abfälle aller Schweizer Kernkraftwerke hier zwischengelagert werden können.

Kontrolle durch die HSK und die IAEA
Die Castors geben nur Wärme ab, sie sind handwarm oder etwas heisser, können aber problemlos berührt werden. Die erwärmte Luft strömt oben aus dem Dach, unten wird kalte Aussenluft durch Schlitze nachgesogen. Dadurch erfolgt die Kühlung ohne jeden Aufwand an Energie, die Halle braucht keine zusätzliche Lüftung oder Heizung. Extrem streng sind die minuziösen Kontrollen, die schon bei der Anlieferung eine Woche dauern. Am Standort in der Halle sind die Behälter dauerüberwacht, durch die Hauptabteilung für die Sicherheit der Kernanlagen (HSK), aber ebenso durch die Internationale Atomenergieagentur (IAEA) mit Sitz in Wien. «Sie hat zwei Kameras montiert und die Behälter plombiert», betont Walter Heep. Das Verschieben eines Castors ist nur erlaubt, wenn die IAEA im Voraus die Bewilligung dazu erteilt. Stolz ist Heep «auf einen echten Oldtimer» – den weltweit ersten dieser Behälter. Im Innern lagern die Brennelemente des PSI-Forschungsreaktors Diorit.

Stolz auf modernen Plasmaofen
Viel Ärger gab es zu Beginn mit dem Plasmaofen. Jetzt ist das High-Tech-Gerät von den Kinderkrankheiten genesen, seit Ostern und bis Anfang Juni läuft die Frühjahrs-Kampagne. «200 Fässer sind schon verschmolzen, 450 könnten es werden, mit der Kampagne im Herbst sogar 1000», hofft Heep. Obwohl alles automatisch abläuft, beschäftigt allein der Ofen 30 Zwilag-Mitarbeiter – für die rund um die Uhr nötigen Schichten zur Überwachung im Kommandoraum.

Der Strahl ist 20 000 Grad heiss, im Ofen sind noch 1200 bis 1500 Grad nötig, um die schwach radioaktiven Abfälle samt Behältern in einen glasförmigen Zustand zu verschmelzen. Am Schluss bleiben 200 Liter grosse gelbe Fässer, die ins Zwischenlager für schwach- bis mittelaktive Abfälle kommen. Auch dort hat es Platz für alle radioaktiven Abfälle aus Industrie, Medizin und Forschung bis zur Mitte dieses Jahrhunderts.

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